US-Trust und Steuern

Wir werden immer wieder gefragt, welche steuerlichen Folgen ein US-Trust hat. Der Beitrag gibt eine Einführung in die Besteuerung von US-Trusts nach deutschem Steuerrecht.


Zivilrechtliche Grundlagen zum US-trust

Trusts sind ein ursprünglich in England entwickeltes Rechtsinstitut. In den USA werden trusts oft als Mittel der Nachlassplanung genutzt. 

Der trust im US-Erbrecht

Ein trust entsteht dadurch, dass der Errichter (grantor, auch als settlor, creator oder trustor bezeichnet) Bestandteile seines Vermögens auf den Treuhänder (trustee) überträgt, welcher diese Vermögensgegenstände zugunsten des Begünstigten (beneficiary) treuhänderisch verwaltet und für einen vom Errichter bestimmten Zweck verwenden soll. Mit der Errichtung eines Trusts können unterschiedliche Zweck verfolgt werden, z.B. der Schutz des Vermögens von Geschäftsunfähigen, die Vermeidung eines förmlichen Nachlassverfahrens (probate), der Schutz von minderjährigen Begünstigten (child protection trust), Verstetigung des Familien-Vermögens (family trust) oder Sicherung des Vermögens gegen Gläubigerzugriff (asset protection). Je nach Zweck des trusts sind unterschiedliche Ausgestaltungen erforderlich. Ein trust kann z.B. bereits zu Lebzeiten des grantor errichtet werden (living trust) und auf den Tod entstehen (testamentary trust), widerruflich (revocable living trust) oder unwiderruflich (irrevocalbe trust) sein, die Bestimmung enthalten, dass der trustee das Vermögen auskehren muss (strict trust) oder dies in seinem ermessen steht (discretionary trust), die Bestimmung enthalten, dass der Errichter sich zu Lebzeiten alle Rechte vorbehält (grantor trust oder settlor interested trust) oder nicht. 

Der trust aus Sicht des deutschen Zivilrechts

Unstreitig kann an Vermögen in Deutschland kein trust-Verhältnis bestehen (KG FGPrax, 2012, 200). Dies bedeutet aber nicht, dass die Anordnung eines trust an deutschem Vermögen schlicht ohne Rechtsfolgen ist. Vielmehr ist der angeordnete trust in ein Rechtsinstitut des deutschen Rechts umzudeuten, z.B. eine Treuhand, Testamentsvollstreckung oder Vor- und Nacherbschaft (siehe hierzu Aufsatz Trust im Erbrecht der USA aus deutscher Sicht).

Der trust im deutschen Steuerrecht

In Folge der Nutzung des Trusts zur Verringerung der Steuerbelastung hat der Gesetzgeber Sonderregeln geschaffen: So gilt z.B. als Schenkung die Übertragung von Vermögen auf eine „Vermögensmasse ausländischen Rechts, welche auf dauerhafte Bindung angelegt ist“.

Der Trust als "gesonderte Vermögensmasse ausländischen Rechts"

Wie bereits erläutert, gibt es nicht "den Trust" oder "das Trust-Verhältnis". Es ist auch nicht so, dass jeder Trusts eine „Vermögensmasse ausländischen Rechts, welche auf dauerhafte Bindung angelegt ist“, ist. Steuerlich relevant ist ein Trust nur, wenn eine "Verselbstständigung des Vermögens" erfolgt. Eine Verselbstständigung des Vermögens ist bei einem Trust anzunehmen, wenn der grantor (Errichter) bestimmt hat, dass die Verwalter des Trusts das Vermögen im Interesse der später Begünstigen verwalten und auf diese im Rahmen einer sich über einen längeren Zeitraum erstreckenden Vermögensnachfolge übertragen sollen (BFH, Urteil vom 27.9.2012, II R 45/10).

Beispiel für steuerlich transparenten trust: Erblasser E errichtet einen widerruflichen living lrust, behält sich für seine Lebenszeit alle Rechte vor und bestimmt, dass auf seinen Tod sein Kind, K1, als successor trustee das Vermögen an die Begünstigen umgehend verteilen soll. Ein solcher Grantor Trust ist steuerlich zu Lebzeiten des Erblasser völlig ohne Folgen. Auf den Tod fallen Todesfallsteuern wie bei Vererbung über ein Testament an. 

Beispiel für steuerlich intransparenten trust: E errichtet einen unwiderruflichen living trust und bestimmt, dass der trustee, das trust-Vermögen für seine Ehefrau bis zu deren Ableben verwalten und in seinem Ermesse Zahlungen an sie aus dem Vermögensstamm leisten soll. Hier liegt eine wirtschaftliche Verselbständigung des Vermögens vor, so dass der Vorgang aus deutscher Sicht steuerliche Folgen haben kann.

Steuerbarkeit in Deutschland

Der Übergang auf den trust löst nur deutsche Steuern aus, wenn der Vermögensanfall in Deutschland steuerbar ist, d.h. entweder der Errichter oder der trustee seinen Wohnsitz bzw. Geschäftssitz in Deutschland hatte. In vielen Fällen ist der Übergang daher erkennbar in Deutschland nicht steuerbar.  

Beispiel: A, US-Staatsangehöriger mit Wohnsitz und ständigem Aufenthalt in den USA, errichtet einen Trust an Vermögensgegenständen in den USA. Es fehlt an einen Bezug zu Deutschland.

Ferner sind die besonderen Regelungen des deutsch-amerikanischen Doppelbesteuerungsabkommens (DBA) zu beachten. Dieses enthält u.a. besondere Regelungen für 

  • die beschränkte Steuerpflicht (Art. 5 bis 9 DBA),
  • den Wohnsitz (Art. 4 DBA) und
  • und den trust (Art. 12 DBA). 

Besteuerung der Errichtung des trusts bzw. Übertragung von Vermögen auf einen trust

Liegt eine Verselbstständigung des Vermögens und ist der Vorgang in Deutschland steuerbar, unterliegt der Übergang auf den Trust 

Da der Übergang auf den trust so wie der Übergang auf eine Stiftung besteuert wird, ist der Erwerb in der Steuerklasse III steuerbar. Daraus folgt, dass der Freibetrag nach § 16 Abs. 2 ErbStG nur EUR 20.000 beträgt und der Eingangssteuersatz gemäß § 19 ErbStG 30 % ist (ist der Wert des Erwerbs höher als EUR 6 Mio. ist der Steuersatz 50 %).

Besteuerung von Zahlungen des trust an die Begünstigten

Die Zuwendungen an die Begünstigten während des Bestehens des trusts sind nach § 7 Abs. 1 Nr. 9 Satz 2 ErbStG steuerpflichtig (BFH, Urteil vom 27.9.2012, II R 45/10). Dies gilt sowohl hinsichtlich des Kapitals des Trusts (principal) als auch der Erträgen aus diesem Kapital (income).

Tipp: Erst mit der Zuwendung wird Schenkungssteuer ausgelöst. Ist der Begünstigte kein Inländer, fällt keine (deutsche) Schenkungssteuer an. Durch Wegzug kann man daher die Schenkungssteuer vermeiden.

Auch der Erwerb bei Auflösung (final distribution) des Trusts unterliegt der Besteuerung gemäß § 7 Abs. 1 Nr. 9 Satz 2 ErbStG. Für die Bestimmung der Steuerklasse und die Steuersätze ist das Verwandtschaftsverhältnis zum Errichter für die Bestimmung der Steuerklasse, § 15 Abs. 2 Satz 2 ErbStG.

Tipp: Im Hinblick auf das Urteil des Bundesfinanzhofs (BFH) vom 30.11.2009 (II R 6/07, BStBl II 2010, 237) wird die Auffassung vertreten, dass beim Erwerb von mehreren Trusts keine Zusammenrechnung nach § 14 ErbStG erfolgt. Dies kann im Hinblick auf die Freibeträge und die Steuerprogression sehr interessant sein.

Neben der Schenkungssteuer kann eine Auszahlung aus dem trust auch Einkommensteuer auslösen. Dies gilt jedenfalls für Auszahlung von Erträgen des trusts an Begünstigte im Inland, wobei der Abgeltungssteuersatz von 25 % zzgl. Soli zur Anwendung kommt  §§ 20 Abs. 1 Nr. 9 S. 2, 32d Abs. 1 EStG. Zum Teil wird auch die Auffassung vertreten, dass Auszahlungen aus dem Kapital deutsche Einkommensteuer auslöst. Diese Auffassung dürfte allerdings nicht mit dem GG vereinbar sein. 

Zurechnung des Vermögens und Einkommens bei einem Familien-trust

Das Vermögen und Einkommen eines (nicht steuerlich transparenten) Familien-trusts wird dem Errichter, wenn er unbeschränkt steuerpflichtig ist, sonst den unbeschränkt steuerpflichtigen Personen, die bezugsberechtigt oder anfallberechtigt sind, entsprechend ihrem Anteil zugerechnet, § 15 AStG.  Familien-trusts solche Trusts, bei denen der Errichter, seine Angehörigen und deren Abkömmlinge zu mehr als der Hälfte bezugsberechtigt oder anfallberechtigt sind, § 15 (2) AStG.

Vorsicht: Nicht erforderlich ist es, dass ein  einklagbarer Rechtsanspruch besteht. Es genügt eine „gesicherte Rechtsposition“ (BFH v. 25.04.2001 II R 14/98, IStR 2001, S. 589 ff).


Jan-Hendrik Frank
Letzte Aktualisierung: 11.09.2013


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