Pflichtteil in Kalifornien

Als US-Anwalt mit Zulassung in Kalifornien und Spezialist für internationales Erbrecht werde ich immer wieder gefragt, welche Ansprüche Angehörige, welche im Testament nicht bedacht wurden haben und ob es einen Pflichtteil in Kalifornien gibt. Der Beitrag erläutert die Grundzüge des kalifornischen Erbrechts betreffend die Mindestbeteiligung von Angehörigen und gibt weiterführende Hinweise zum Pflichtteil.


Kein Pflichtteil im Erbrecht von Kalifornien

Das Erbrecht von Kalifornien ist vom Grundsatz der Testierfreiheit beherrscht und einen Pflichtteil im Sinne einer quotalen, wertmäßigen Beteiligung am Nachlass, gibt es nicht. 

Hinweis: Denken Sie daran, dass ein Pflichtteil natürlich insoweit in Betracht kommt, als auf den Nachlass deutsches Erbrecht anzuwenden ist. Dies kann z.B. der Fall sein, wenn der Erblasser eine Immobilie in Deutschland hatte.

Den erwachsenen Kindern steht im Grundsatz nach kalifornischem Recht kein Pflichtteil zu. Vom Erblasser abhängige Kinder (z.B. Minderjährige oder Behinderte) und der überlebende Ehegatte, werden hingegen durch das Gesetz geschützt. Das Gericht kann auf Antrag diesen zubilligen:

  • die zeitweilige Nutzung der Wohnung und des Inventars (homestead rights), §§ 6540-6545 CPC
  • Unterhaltszahlungen (family allowances). 

Vorsicht: Die Homestead Rights müssen binnen 60 Tagen nach dem Tod beantragt werden.  

Anteil am gemeinschaftlichen Vermögen der Eheleute

Nach dem Ehegüterrecht von Kalifornien bilden die Eheleute gemeinschaftliches Vermögen (community property), welches beim Tod eines Ehegatten auseinanderzusetzen ist. Es kann daher sein, dass der überlebende Ehegatte 1/2 des Gesamtvermögens als Anteil am Auseinandersetzungsguthaben erhält!  

Der vergessene Erbe

Der überlebende Ehegatte kann den gesetzlichen Erbteil verlangen, wenn er „vergessen“ wurde (omitted heir). Das setzt voraus, dass

  • der zuerst verstorbene Ehegatte das Testament vor Eingehung der Ehe errichtet hat,
  • das Testament nach Eingehung der Ehe nicht geändert oder ergänzt wurde,
  • der Ehegatte nicht ausdrücklich enterbt wurde,
  • der Ehegatte ausreichend Vermögen außerhalb des Nachlasses erhalten hat oder
  • der Ehegatte keine Verzichtserklärung unterzeichnet hat.

Entsprechendes gilt für das nachgeborene Kind.


Jerome Synold
Steffen Leithold
Letzte Aktualisierung: 26.07.2014


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