Konto in den USA im Erbfall

Als Spezialisten für deutsch-amerikanisches Erbrecht vertreten wir Erben und Begünstigte auf den Tod immer wieder bei der Auflösung von Konten (savings account, checking account) beim Tod des Berechtigten. Der Beitrag zeigt auf, was im Erbfall zu beachten ist.


Nachweis der Berechtigung

Im Erbfall ist zunächst stets gegenüber den Kontoführenden Finanzinstitut (z.B. Bank) der Nachweis der Berechtigung zu führen. Ohne diese wird das Finanzinstitut weder Auskunft erteilen noch Anweisungen des Berechtigten ausführen.

Eine solche Berechtigung ergibt sich nicht aus einer vom verstorbenen Kontoinhabers erteilten Vollmacht, da Vollmachten nach "US-Recht" stets mit dem Tod des Vollmachtgebers erlöschen.

Bei einem gemeinschaftlichen Konto(z.B. joint account) mit Anwachsungsrecht auf den Tod über (z.B. joint tenancy oder tenancy by the entireties for married couples), kann allerdings der überlebende Kontomitinhaber nach Nachweis des Übergangs auf ihn (i.d.R. genügt die Sterbeurkunde) und Vorlage der steuerlichen Unbedenklichkeitsbescheinigung (siehe unten) über das Guthaben verfügen.

Wurde bei Eröffnung des Kontos oder später ein Begünstigter auf den Tod benannt (POD Account)  kann der Nachweis der Berechtigung in der Regel durch Vorlage eine Sterbeurkunde und Identität (z.B. Reisepass) erbracht werden. 

Ist in dem Vertrag mit dem Finanzinstitut kein Begünstigter auf den Tod benannt, fällt das Guthaben in den Nachlass (estate). In diesem Fall ist es in der Regel erforderlich ein förmliches Nachlassverfahren in den USA (probate) zu führen (siehe hierzu den Aufsatz Probate-das gerichtliche Nachlassverfahren in den USA). In manchen Fällen wird aber auch ein anderer Nachweis (z.B. Erbschein) akzeptiert. 

Hinweis: Viele US-Finanzinstitute bieten für nicht in den USA ansässige Personen keine Dienste mehr an. Sollen das Guthaben in den USA bleiben, ist daher oft der Übertrag zu einem anderen US-Finanzinstitut erforderlich. 

US-Quellensteuer

Die USA erheben eine Quellensteuer (withholding tax) in Höhe von 30% bei Zahlungen an einen nonresident alien, vgl. IRC §§871(a).

Hinweis: Bei Zahlung an den Nachlass (estate) wird die Quellensteuer nicht erhoben, da der Nachlass für US-Steuerzwecke eine US-Person ist; dies gilt aber dann nicht, wenn es sich um einen foreign estate handelt. 

Nach IRC § 1441 wird der entsprechende Betrag vom Steueragenten (withholding agent) - dies ist in der Regel eine Bank oder anderes Finanzinstitut - einbehalten und unmittelbar an die US-Steuerbehörde IRS abgeführt. 

Bei Anwendbarkeit des DBA-USA-ESt hat regelmäßig kein Einbehalt betreffend das Guthaben eines Kontos zu erfolgen. Um diese Vergünstigung zu erhalten, ist das Formular W-8BEN (bzw. W-8BEN-E im Falle eines foreign estate) auszufüllen und bei dem Finanzinstitut unmittelbar einzureichen. 

Hinweis: Sollte gleichwohl US-Quellensteuer einbehalten und an die IRS abgeführt werden, sollten Sie über eine Rückforderung bei der IRS nachdenken. 

US-Nachlasssteuer 

Ist der einzige Vermögensgegenstand eines nonresident alien decedent das Guthaben eines Kontos, fällt nach dem DBA-USA-Erb keine US-Nachlasssteuer (federal estate tax) an; hierzu verweisen wir auf den Beitrag Die Besteuerung deutsch-amerikanischer Erbfälle nach dem Doppelbesteuerungsabkommen

Eine Auszahlung an einen nonresident alien erfolgt allerdings erst, wenn durch eine steuerliche Unbedenklichkeitsbescheinigung (transfer certificate) gegenüber dem Finanzinstitut nachgewiesen wurde, dass keine US-Nachlasssteuer zu zahlen ist. Diese sichert das Finanzinstitut gegen eine Haftung ab (vgl. Treas. Reg. § 20.6325-1). Die IRS erteilt das transfer certificate im Fall des Ablebens eines nonresident alien nur, wenn

  • bei einem steuerbaren US-Vermögen von mehr USD 60.000 die federal estate tax mittels des Formulars 706-NA erklärt und die Steuer gezahlt wurde,
  • bei einem geringeren steuerbaren US-Nachlass bestimmte Angaben gegenüber der IRS gemacht wurden. 

Weiterführende Informationen: Zur Erklärung der US-Nachlasssteuer verweisen wir auf den Abschnitt Abgabe der Steuererklärung in dem Aufsatz "Nachlasssteuer und Erbschaftsteuer in den USA". 

Deutsche Erbschaftsteuer

Wenn der Erwerber im Zeitpunkt des Erwerbs seinen Wohnsitz im Sinne des DBA-USA-Erb in Deutschland hatte, unterliegt der gesamte Erwerb der deutschen Erbschaftsteuer und der Erwerber hat seinen Erwerb binnen 3 Monaten ab Kenntnis vom Erwerb dem Erbschaftsteuerfinanzamt anzuzeigen (Erwerbsanzeige nach § 30 ErbStG). 

Hinweis: Die 3-Monats-Frist läuft nicht etwa erst dann, wenn der Erben/Begünstige über das Guthaben des Kontos verfügen kann, sondern wenn der Tod und die Berechtigung dem Erben/Begünstigten bekannt wird. Da die Abwicklung oftmals einige Monate - manchmal auch länger - dauert, sollte bereits in der Erwerbsanzeige auf eine großzügige Frist zur Erklärung der Steuer hingewirkt werden. Gerne beraten wir Sie insoweit und vertreten Sie gegenüber dem Erbschaftsteuerfinanzamt bei der Erbschaftsteuererklärung


Jan-Hendrik Frank
Jerome Synold
Letzte Aktualisierung: 21.11.2013


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