Erbrecht in Kalifornien: Die gesetzliche Erbfolge

Als Spezialisten für deutsch-kalifornische Erbfälle sind wir immer wieder mit Erbfällen befasst, in denen es kein (wirksames) Testament gibt und somit die Regeln der gesetzlichen Erbfolge zum Zug kommen. Der Beitrag gibt eine Einführung.


Grundlagen

Die Vereinigten Staaten von Amerika (USA) haben kein einheitliches Erbrecht. Vielmehr haben alle 50 US-Bundesstaaten ihr eigenes Erbrecht. Das Erbrecht des US-Bundesstaates Kalifornien ist im California Probate Code (CPC) kodifiziert. 

Kalifornische Gerichte wenden im Hinblick auf bewegliches Vermögen (z.B. Bankkonto) das Recht des letzten Domizil des Erblassers und im Hinblick auf das unbewegliches Vermögen (z.B. Haus) das Erbrecht am Ort, wo die Immobilie belegen ist, an (siehe vertiefend unseren Beitrag Kalifornisches Erbrecht - Einführung).

Hinweis: Deutsche Gerichte stellen hingegen für Erbfall ab dem 17.08.2015 insgesamt auf den letzten gewöhnlichen Aufenthalt ab. Ist dieser in Deutschland, sind aus deutscher Sicht die Regeln der deutschen gesetzlichen Erbfolge anzuwenden. 

Die gesetzliche Erbfolge nach dem Recht von Kalifornien

Soweit das Erbrecht von Kalifornien anzuwenden ist, tritt die gesetzliche Erbfolge ein, soweit

  • der Erblasser kein Testament errichtet hat,
  • das Testament unwirksam ist oder (durch Widerruf) geworden ist oder
  • der Begünstigte die Erbschaft ausschlägt.

Vorsicht: Nicht zu verwechseln ist die gesetzliche Erbfolge mit der Frage des Pflichtteils. 

Gesetzlicher Erbe kann nur sein, wer den Erblasser überlebt. Stirbt die zur gesetzlichen Erbfolge berufene Person vor dem Erblasser, ist allerdings zu prüfen, ob die Abkömmlinge der vorverstorbenen Person an ihre Stelle treten. 

Gesetzliches Erbrecht des Ehegatten

Überlebt der Ehegatte den Verstorbenen, erhält er das Vermögen des Erblassers allein oder zum Teil (neben den Verwandten).

Waren die Ehegatten nach dem Recht von Kalifornien verheiratet und haben sie durch Vertrag nichts anderes vereinbart (antenuptial agreement), ist der (gesetzliche) Güterstand die Errungenschaftsgemeinschaft (community of property). Stirbt einer der Ehegatten, erhält der überlebende Ehegatte nach 

  • den Regeln des kalifornischen Güterrechts seinen eigenen hälftigen Anteil am Gesamt- und Quasi-Gesamtgut und
  • den Regeln der gesetzlichen Erbfolge den hälftigen Anteil des Erblassers am Gesamt- und Quasi-Gesamtgut.

Daneben kommt dem überlebenden Ehegatten auch ein gesetzliches Erbrecht am Vorbehalts- bzw. Sondergut des Erblassers zu, dessen Umfang sich nach dem Vorhandensein von Verwandten des Erblassers richtet.

Gesetzliches Erbrecht der Verwandten

Die Verwandten erben den Teil des Nachlasses, der nicht auf den überlebenden Ehegatten übergeht.

Abkömmlinge des Erblassers (z.B. Kinder) erben zu gleichen Teilen, wenn sie alle den gleichen Grad der Verwandtschaft zum Erblasser aufweisen.

Sind keine Abkömmlinge vorhanden, so erben die Eltern des Erblassers zu gleichen Teilen. Wenn nur ein Elternteil überlebt, wird dieser Alleinerbe. Sind beide Eltern vorverstorben, erben hilfsweise die Abkömmlinge der Eltern zu gleichen Teilen, wenn sie alle den gleichen Grad der Verwandtschaft zum Erblasser aufweisen.

Übersicht über die Anteile bei gesetzlicher Erbfolge nach dem Recht von Kalifornien

Das gesetzliche Erbrecht kann folgender Tabelle entnommen werden:

Der Erblasser wird überlebt von

Gesamt- und Quasi-Gesamtgut (nur im gesetzlichen Güterstand der Errungenschaftsgemeinschaft)

 

Vorbehalts- bzw. Sondergut (nur im gesetzlichen Güterstand der Errungenschaftsgemeinschaft)

Gesamtnachlass (nur wenn unverheiratet oder bei Gütertrennung)

 

einem Ehegatten aber keinen Abkömmlingen, Eltern, Geschwistern oder Abkömmlingen vorverstorbener Geschwister

Ehegatte erhält alles (§§ 100 f., 6101, 6401[a], [b]).

 

Ehegatte erhält alles (§ 6401[c][1]).

einem Ehegatten und einem einzigen Kind oder Abkömmlingen des vorverstorbenen Kindes

Ehegatte erhält alles (§§ 100 f., 6101, 6401[a], [b]).

Ehegatte erhält ½ (§ 6401[c][2][A]).

Einziges Kind bzw. seine Abkömmlinge erhalten ½ (§ 6402[a]).

einem Ehegatten und mehr als einem Kind, oder einem Kind und Abkömmlingen eines oder mehrerer vorverstorbener Kinder

Ehegatte erhält alles (§§ 100 f., 6101, 6401[a], [b]).

Ehegatte erhält 1/3 (§ 6401[c][3]).

Kinder bzw. Abkömmlinge verstorbener Kinder erhalten insgesamt 2/(§ 6402[a]).

einem Ehegatten, keinen Kindern oder deren Abkömmlingen aber von Eltern oder einem Elternteil

Ehegatte erhält alles (§§ 100 f., 6101, 6401[a], [b]).

Ehegatte erhält ½ (§ 6401[c][2][b]).

Eltern oder ein Elternteil erhalten insgesamt ½ (§ 6402[b]).

einem Ehegatten, keinen Kindern oder deren Abkömmlingen, kein Elternteil, aber von Geschwistern oder Abkömmlingen von vorverstorbenen Geschwistern

Ehegatte erhält alles (§§ 100 f., 6101, 6401[a], [b]).

Ehegatte erhält ½ (§ 6401[c][2][b]).

Geschwister bzw. deren Abkömmlinge erhalten insgesamt ½ (§ 6402[c]).

keinem Ehegatten aber von Abkömmlingen

entfällt

Abkömmlinge erhalten alles (§ 6402[a]).

keinem Ehegatten, keinen Abkömmlingen aber von Eltern oder einem Elternteil

entfällt

 

Eltern oder ein Elternteil erhalten grundsätzlich alles (§ 6402[b]).

Wenn der Erblasser einen vorverstorbenen Ehegatten hatte, der nicht mehr als 15 bzw. fünf Jahre vor dem Erblasser starb, gehen die Teile der Erbschaft, die von dem vorverstorbenen Ehegatten herrühren, auf bestimmte nahe Verwandte des vorverstorbenen Ehegatten über (§ 6402.5).

keinem Ehegatten, keinen Abkömmlingen, keinem Elternteil, aber von Geschwistern oder Abkömmlingen von vorverstorben Geschwistern

entfällt

 

 

 

 

 

Geschwister bzw. deren Abkömmlinge erhalten grundsätzlich alles (§ 6402[c]).

Wenn der Erblasser aber einen vorverstorbenen Ehegatten hatte, der nicht mehr als 15 bzw. fünf Jahre vor dem Erblasser starb, gehen die Teile der Erbschaft, die von dem vorverstorbenen Ehegatten herrühren, auf bestimmte nahe Verwandte des vorverstorbenen Ehegatten über (§ 6402.5).

keinem Ehegatten, keinen Abkömmlingen, keinem Elternteil, keinen Geschwistern oder Abkömmlingen von vorverstorben Geschwistern, aber von einem oder beiden Großelternteilen oder Abkömmlingen von Großeltern

entfällt

 

 

 

 

 

 

Großeltern bzw. deren Abkömmlinge erhalten grundsätzlich alles (§ 6402[d]).

Wenn der Erblasser aber einen vorverstorbenen Ehegatten hatte, der nicht mehr als 15 bzw. fünf Jahre vor dem Erblasser starb, gehen die Teile der Erbschaft, die von dem vorverstorbenen Ehegatten herrühren, auf bestimmte nahe Verwandte des vorverstorbenen Ehegatten über (§ 6402.5).

keinem Ehegatten, keinen Abkömmlingen, keinem Elternteil, keinen Geschwistern oder Abkömmlingen von vorverstorben Geschwistern, keinen Großelternteilen oder Abkömmlingen von Großeltern, aber von Abkömmlingen eines vorverstorbenen Ehegatten

 

entfällt

 

 

 

 

 

Abkömmlinge des vorverstorbenen Ehegatten erhalten alles (§ 6402[e]).

Existieren solche nicht, so geht alles an die nächsten Verwandten des Erblassers (§ 6402[f]). Wenn es keine nächsten Verwandten gibt, geht alles an die Eltern oder die Abkömmlinge der Eltern des vorverstorbenen Ehegatten (§ 6402[g]).

 

 


Jerome Synold
Steffen Leithold
Letzte Aktualisierung: 21.10.2014


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